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Mit der Broschüre "Was ist Sozialismus heute? Warum wir den Kapitalismus überwinden müssen" wollen die beiden Autoren Bernd Riexinger und Raul Zelik einen Stein ins Wasser werfen, von dem sie hoffen, dass er Wellen schlägt: Sie wollen eine Debatte darüber anstoßen, was heute unter Sozialismus verstanden werden kann.
Die Autoren sind davon überzeugt, dass wir näher beschreiben und benennen müssen, wie eine Alternative zum Kapitalismus aussehen könnte. Die Linke braucht einen Sozialismusbegriff, der den Unterschied zu den gescheiterten Versuchen des realen Sozialismus deutlich macht. Dabei geht es nicht um Szenarien des «Wünsch-dir-was», sondern um das Aufgreifen und Weiterentwickeln von Ansätzen, für die im Kapitalismus schon heute gekämpft wird. Das sind vor allem Beispiele der Selbstorganisierung, der Solidarität, des Gemeinwohls und der Basisdemokratie, die in der Gesellschaft immer wieder entstehen, nicht selten von den Gesetzen des Marktes und der Kapitalverwertung aber auch schnell wieder zerstört werden.
Gerade in Zeiten der Rechtsverschiebung und Faschisierung ist es politisch verheerend, wenn sich Linke darauf beschränken, die bürgerliche Demokratie (mit ihrer sozialen Ungleichheitsordnung) gegen rechts zu verteidigen. Stattdessen brauchen wir eine realistische Vorstellung einer Alternative, also: Wie lässt sich ein besseres Leben erreichen, welche gesellschaftlichen Voraussetzungen müssen dafür geschaffen werden? Wir brauchen ein Projekt, das der übergroßen Mehrheit der Menschen befriedigendere Arbeits-, Lebens- und Umweltbedingungen ermöglicht als die verkrüppelten Angebote eines Kapitalismus, dessen Destruktivkräfte zu einer Gefahr für das Überleben eines großen Teils der Menschheit geworden sind.
Dass wir eine überzeugende Antwort auf die Frage geben können, was wir heute unter Sozialismus verstehen, ist eine wesentliche Voraussetzung dafür, dass die gesellschaftliche Linke stärker werden und auch wieder in die politische Offensive kommen kann.
Der Kapitalismus habe es im 21. Jahrhundert geschafft, sich als völlig alternativlos zu präsentieren, resümierte der Kulturkritiker Mark Fisher vor einigen Jahren. Wenn wir die Hegemonie des sich als alternativlos gebärdenden Kapitalismus erschüttern wollen, müssen wir uns um eine positive Erzählung bemühen. Bernd Riexinger stellt seine Broschüre am 22. Januar im Laboratorium im Stuttgart-Osten vor. Los geht es um 18:30 Uhr. Der Eintritt ist frei.
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